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Fischer im Datenmeer

Die IT-Forensiker der sächsischen Steuerfahndung

IT-Forensik - was steckt eigentlich hinter diesem Wort, das so eine Mischung aus trockener Computerluft und CSI (Crime Scene Investigation) zu beschreiben scheint?

Arbeitslaptop auf Tisch in Raum

Sicherung einer Festplatte
(© Michael Felber)

Der Begriff IT (für Informationstechnik) ist hier sehr weit gefasst. Die Spezialisten der Steuerfahndung beschäftigen sich mit allen Arten von elektronischen Speichermedien, sei das nun die klassische Festplatte in einem PC, das riesige Speichersystem eines Rechenzentrums, eine Computerkasse oder der kleine USB-Speicherstick aus der Hosentasche eines Steuersünders. In den vergangenen Jahren kam zudem verstärkt der Umgang mit typischen Mobilgeräten wie Laptops oder Smartphones in reichhaltiger Typenvielfalt hinzu. Auch Art und Umfang in der Cloud gespeicherter Daten nehmen zu. Ziel der Fahnder ist es stets, die elektronisch gespeicherten Informationen zu extrahieren und für das Steuerstrafverfahren gerichtsverwertbar aufzubereiten.

Der Begriff »Forensik« leitet sich vom lat. »forensis« ab, was soviel bedeutet wie »zum Forum gehörend«. Bei den alten Römern war es üblich, auf dem Forum, dem Marktplatz, Gerichtsverfahren, Untersuchungen, Urteilsverkündungen sowie den Strafvollzug öffentlich durchzuführen. Der Begriff »Forensik« fasst heute alle Arbeitsgebiete zusammen, in denen systematisch kriminelle Handlungen identifiziert, analysiert bzw. rekonstruiert werden. Daher bezeichnet das Attribut »forensisch« alles, was gerichtlichen oder kriminologischen Charakter hat.

Auch wenn die sächsischen IT-Forensiker erst in wesentlich jüngerer Vergangenheit starteten als die alten Römer, so haben sie im Laufe der Jahre viel dazugelernt, haben aus Millionen von E-Mails die Richtige herausgepickt, längst sicher gelöscht geglaubte Scheinrechnungen wiederhergestellt oder die interne Kalkulation eines Bordells aus einem Mobiltelefon herausgeholt.

ovale, goldfarbene Plakette der sächsischen Steuerfahndung

Dienstmarke der Steuerfahndung
(© Michael Felber)

An dieser Stelle sollen auch ein paar nüchterne Zahlen genannt sein:

2014 sicherten und verarbeiteten die IT-Fahnder in den drei Steuerfahndungsstellen Dresden, Leipzig und Chemnitz in 452 Steuerstrafverfahren insgesamt rund 260 Terrabyte an Daten, größtenteils digitale Kopien von Speichermedien. Aus diesen Rohdaten wurden logische Daten lesbar gemacht, extrahiert, gelöschte Daten wiederhergestellt, Dateien gegebenenfalls entschlüsselt und kategorisiert – mit maschineller Hilfe genauso wie mit der menschlichen Spürnase des Fahnders und Ermittlers.

Doch ist es ein stetes Ringen, der Unmenge an Informationen Herr zu werden. Dazu stehen neben forensischer Software auch Spezialprogramme zur Verfügung. Und - es lohnt sich, wie eine eindrucksvolle Zahl beweist: Den sächsischen Steuerfahndungsstellen gelang es 2014, ein vorläufiges Mehrergebnis von über 130 Millionen Euro zu erzielen. Im letzten Jahr verurteilte Steuersünder müssen Haftstrafen von insgesamt 57 Jahren und sechs Monaten verbüßen – viele Verfahren wären ohne die Unterstützung moderner Technik nicht durchführbar gewesen.

Übrigens: Die sächsischen Steuerfahndungsstellen freuen sich immer über motivierte Nachwuchsfahnder…

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